Mitgliederversammlung bei Gladbach
Borussia Mönchengladbach steckt in einem der schwierigsten Jahre dieses Jahrtausends. Die Stimmungslage desVereins entlädt sich meist bei den Mitgliederversammlungen da der Vorstand auf Engagierte & Fans trifft. Wie dieses Jahr die Versammlung ablief, wie die aktuelle finanzielle Situation des Vereins ist und weiteres, findet ihr hier in der Zusammenfassung der Mitgliederversammlung Borussia Mönchengladbach in 2026.
Nachdem Einlass um 17 Uhr konnte die Veranstaltung pünktlich um 18 Uhr beginnen, nachdem Rouven Schröder & Co sich bereits im Voraus mit einigen Mitgliedern unterhielten. Die knapp 1600 Anwesenden bekamen dann die Finanzzahlen der Borussia ausgehändigt.
Knapp 4 Millionen Euro Minus – Gladbachs Geschäftsjahr 2025
Aus diesen wird ersichtlich, dass Gladbach trotz gestiegener Einnahmen ein höheres Minus als im Vorjahr vorweisen muss. Die Ausgaben überstiegen die Einnahmen, wodurch das minus knapp 4 Millionen Euro beläuft. Stegemann erklärt an späterer Stelle, dass das Eigenkapital bei knapp 44,9 Millionen Euro (25,4%) liegt und dass finanzieller Erfolg eng mit sportlichem verknüpft ist. Somit sei der Rückgang des Eigenkapitals von 103,324 Millionen € (42,8%) vor Corona hauptsächlich auf die Pandemie, sportlichen Misserfolg und ablösefreie Abgänge zurückzuführen. Die Übersichten findet ihr hier:


Bonhoffs Jahresrückblick
Dann beginnt Bonhof mit dem Jahresrückblick doch will vorher noch etwas sagen. Sichtlich mit den tränen ringend konstatiert er „es ist ein Scheißjahr“ und ungewöhnlich emotional lobt er die Fans für deren Support, insbesondere Auswärts. Diese hätten es nicht verdient abzusteigen.
Danach beginnt er mit dem eigentlichen Jahresrückblick indem er Wael Moyha lobend hervorhebt was lauten Applaus bekommt. Danach konstatiert er das 125 Jährige Jubiläums Gladbachs. Danach folgte Stegmanns Finanzüberblick welchen wir bereits zuvor besprochen hatten.
Rouven Schröder mit großen Worten:“Der Club seid ihr“

Nach dem Finanzbericht erhob sich Rouven Schröder, welcher erst einmal die Fans lobte: „Der Club seid ihr“. Er resignierte, dass man nach dem Saisonstart die aktuelle Lage genau so unterschrieben hätte. Außerdem hob er den Derbysieg im Herbst hervor, welcher enorm wichtig für die aktuelle „Sicherheit“ sei.
Danach wird der Rocco Reitz Transfer besprochen, wobei Schröder die daraus entspringende Planungssicherheit heraus hebt. Außerdem konstatiert er, dass die Kleindienst Verletzung so seie als ob für Bayern Harry Kane ausfallen würde.
Er fährt mit einem Ausblick auf den Sommer fort. Dort wolle man die Kaderkosten senken und trotzdem an der Kaderqualität arbeiten. Man wolle im Allgemeinen nichts Schönreden und die aktuelle Situation hinterfragen. Die Transfers sollen Mutig und simpel „gut“ sein. Gladbach sei ein großer Club und müsse sich nicht verstecken.
Seine sehr Ambitionierte Ansprache beendet er mit den Worten: „Lass uns mutig sein und zusammenhalten[…]. Auf eine bessere Zukunft.“ Wiedereinmal fällt er hier mit einer Energie von Aufbruchsstimmung auf. Gladbach soll wieder größer werden und wird es aus dem Loch schaffen.
Aufsichtsratsvorsitzender Hollmann feuert danach fast schon eine Brandrede ab, in der er klar in Richtung Polanski schießt. Er kritisiert die Arbeit der letzten Jahre und die Mannschaft. Man habe die Schnauze voll und man müsse einen klaren Cut setzen. Trotzdem schließt er mit ermutigenden Worten für die Zukunft ab und konstatiert, dass Schröder die richtige Gangart an den Tag lege, um diesen Umbruch zu schaffen.
Fan-Frust: Kritik, Zweifel und Durchhalteparolen

Bevor die Fans dann mit ihren Fragen starten dürfen, möchte Trainer Polanski noch etwas zur sportlichen Situation sagen. Er sagt, dass er vom Klassenerhalt überzeugt sei. Im Anschluss kritisiert er die Mannschaft, ihr würde die Gier nach Erfolg fehlen und er würde das ein oder andere Mal an ihr verzweifeln. Es fehle an „Arschlöchern“, doch trotzdem sei er voller Tatendrang, einiges bei Gladbach zu ändern.
Die Fans fordern danach einiges: einen kleineren Staff, mehr Offensive und weniger Personalkosten. Außerdem wird gefordert, dass die Spieler wieder eine Ehrenrunde durch das ganze Stadion machen und sich nicht nur vor der Nordkurve zeigen.
Mehrmals wird Polanski & der Vorstand angesprochen. Beide werden kritisiert, doch insbesondere der Vorstand kriegt sein Fett weg. Manche Fans befürchten, dass dieser Polanski nun als Bauernopfer vorschicke, um die eigenen Verfehlungen zu kompensieren.
Ein anderer fragt Bonhof direkt, ob er der richtige Mann für seinen Job sei und ob man nicht zu sehr auf Stallgeruch setzen würde. Dieser kontert mit einer Metapher über Familien, dass man die Probleme innerhalb einer Familie lösen würde und nicht zum Nachbarn gehen würde. Bonhof bestätigt auch, bei der nächsten Präsidentschaftswahl 2027 antreten zu wollen.

Doch auch Polanski wird direkt mit Kritik konfrontiert. Die ausbleibenden Ergebnisse erklärt er damit, dass man gerade noch am Anfang einer Entwicklung stecke. Man müsse Schritt für Schritt gehen, trotzdem sei man ambitioniert. Zu den späten Wechseln sagte er: „Ich schaue nicht immer genau auf die Uhr“, zwar gäbe es Beispiele für frühe Wechsel, jedoch würde er es sich „zu Herzen“ nehmen. Außerdem kündigt er an, die Ausdauer der Mannschaft verbessern zu wollen. Zur Mainz-Niederlage sagt er, er habe der Mannschaft vertraut und „hätte es den Elfmeter nicht gegeben, hätten wir auch gewonnen“.
Schröder bezeichnete die Entscheidung, Polanski einen Vertrag bis 2028 gegeben zu haben, als eine „klare Entscheidung für Eugen“, wozu er auch immer noch stehen würde.
Ein weiteres Mitglied beginnt danach mit einer längeren Generalkritik, in der er unter anderem konstatiert: „Hier passiert gar nichts. Sie geben sich mit Plätzen zufrieden, die Borussia Mönchengladbach nicht widerspiegeln.“ Dazu gibt es lauten Applaus.
Andere Fans kritisieren im darauf Folgenden die Investitionen in die Infrastruktur und fragen, ob diese der Grund für Gladbachs schwierige finanzielle Lage seien. Daraufhin weist ein anderes Mitglied auf die kostspieligen Transfers von Ngoumou und Cvancara hin, welche ebenfalls finanziell den Rahmen sprengten. Im Zuge dessen fällt auch der Name Virkus, welcher laut Stegemann noch bei Gladbach beschäftigt sei.
Polanski äußert sich auch noch ausführlich zu Wael Mohya: „Wael Mohya ist mit Sicherheit die Gegenwart und die Zukunft des Vereins. Diesen Jungen kann man nicht verhindern – keiner. Ich wünsche ihm das nötige Glück, von Verletzungen verschont zu bleiben. Mit 17 Jahren schon so viele Einsätze zu haben, ist sein Verdienst. Wir sollten bei ihm nicht zu viel Druck aufbauen. Ich bin bei Ihnen, dass wir Wael in den letzten Spielen zu wenig auf dem Platz gesehen haben. Das lag nicht an ihm, sondern teilweise an den Leistungen seiner Mitspieler oder an den Wechselmöglichkeiten durch Verletzungen.“ Außerdem sind Fritz Fleck und Iaia Manco Danfa auf dem Schirm der Verantwortlichen für den Kader der Folgesaison.
Kritik an Bonhof und Kraft im Vorfeld
FPGM und Sottocultura verteilten bereits im Vorfeld Flugblätter, in denen die breite Kritik an der Führungsriege der Borussen noch einmal wiederholt wurde. Der Verein sei in einer kritischen Lage und man befürchtet konkret den Abstieg. Dabei möchte man nicht den Präsidenten Bonhof unehrenvoll diskreditieren, jedoch sei die Lage aktuell einfach zu angespannt.
Kurz und knapp die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
- Im Geschäftsjahr 2025 verzeichnet Gladbach ein Minus von knapp 4.000.000 €
- Rouven Schröder mit Aufbruchsstimmung will Kaderqualität steigern bei weniger Kaderkosten, deshalb ist die kommende Transferphase sehr wichtig
- Polanski kritisiert die Mannschaft und fordert mehr Siegeswillen, trotzdem sieht er es als tolles Projekt, welches gerade noch am Anfang steht, was die schlechten Ergebnisse erklärt
- Roland Virkus ist weiterhin bei Gladbach angestellt
- Bonhof will auch 2027 noch einmal als Borussia Präsident kandidieren
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🖊 Autor: Mika Heerink
📷 Photo by IMAGO / Jan Huebner
