Als Gladbach zuletzt nach fünf Spieltagen punktlos war: Warum die Lage heute schwieriger ist
Fünf Spiele, fünf Niederlagen, null Punkte: Borussia Mönchengladbach erlebt aktuell einen katastrophalen Start in die Bundesliga-Saison 2026/27. Nach dem 1:2 im Rheinderby gegen den 1. FC Köln ist die Lage bei den Fohlen bereits nach dem fünften Spieltag mehr als brenzlig. Auch der Trainerwechsel zu Alexander Blessin brachte bislang noch nicht die erhoffte Wende. Dabei liegt ein solcher Fehlstart schon einige Jahre zurück: Zuletzt startete Borussia in der Saison 2015/16 mit fünf Niederlagen in Folge in eine Bundesliga-Spielzeit. Damals gelang der Mannschaft im weiteren Saisonverlauf allerdings noch eine bemerkenswerte Aufholjagd. Doch kann man zwischen heute und damals überhaupt noch Parallelen ziehen?
Aus dem Tabellenkeller in die Champions League:
Am Abend des 15. August 2015 startete Borussia Mönchengladbach in die neue Bundesliga-Saison. Als frisch qualifizierter Champions-League-Teilnehmer reiste die Mannschaft zum Auftakt zu Borussia Dortmund. Im Signal-Iduna-Park hatte Gladbach in der Vergangenheit zwar häufig Probleme, dennoch dürfte sich das Team von Trainer Lucien Favre als amtierender Tabellendritter mehr vom ersten Saisonspiel erhofft haben. Stattdessen setzte es eine deutliche 0:4-Niederlage. Bereits nach einer Viertelstunde brachte der ehemalige Gladbacher Marco Reus den BVB in Führung. Noch vor der Pause legten die Dortmunder zweimal nach. Auch im zweiten Durchgang blieb die Borussia aus Mönchengladbach chancenlos. Ein ähnlich ernüchterndes Bild bot sich zum Auftakt der aktuellen Spielzeit. Beim Spitzenteam aus Leipzig musste Gladbach eine deutliche 0:3-Niederlage hinnehmen. Auch hier traf mit Rocco Reitz ein ehemaliger Gladbacher. Damit waren die Parallelen zur Saison 2015/16 zunächst unverkennbar. Am zweiten Spieltag sollte gegen den 1. FSV Mainz 05 die Wende folgen, ein Team, gegen das man in der aktuellen Saison auch bereits ranmusste. Nach der Auftaktniederlage hofften die Fohlen 2015 auf einen Heimsieg, doch erneut verließ Borussia den Platz als Verlierer. Trotz guter Möglichkeiten, insbesondere nach der Pause, unterlag Gladbach mit 1:2. Damit stand die Mannschaft bereits nach zwei Spieltagen am Tabellenende. Auch die nächste Partie brachte keine Besserung. Beim ebenfalls schwach gestarteten SV Werder Bremen kassierten die Fohlen die dritte Niederlage in Folge. Am Ende stand eine 1:2-Pleite im Weserstadion. Die Unzufriedenheit am Niederrhein wuchs, der Druck auf die Mannschaft von Lucien Favre nahm zu. Spätestens vor dem Heimspiel gegen den Hamburger SV war Borussia am vierten Spieltag gefordert. Doch auch gegen die Rothosen blieb die erhoffte Reaktion aus. Stattdessen setzte es im Borussia-Park eine deutliche 0:3-Niederlage. Trotz personeller Veränderungen in der Startelf gelang es Favre nicht, die Negativserie zu stoppen. Borussia blieb ohne Punkt und fand sich weiterhin am Tabellenende wieder. Wie in der aktuellen Saison richteten sich die Hoffnungen vor dem fünften Spieltag auf das Rheinderby. Gegen den Erzrivalen aus Köln sollte endlich der erste Sieg her. Schließlich war der 1. FC Köln seit sieben Jahren ohne Derbysieg gegen Gladbach geblieben. Die Fohlen wollten den misslungenen Saisonstart mit einem Erfolg beim Rivalen vergessen machen. Doch auch diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Im Müngersdorfer Stadion erzielte Anthony Modeste in der 64. Minute den entscheidenden Treffer zum 1:0 für Köln. Borussia kassierte damit die fünfte Niederlage im fünften Ligaspiel und stand weiterhin ohne einen einzigen Punkt da.
Warum die Ausgangslage heute eine andere ist:
So verlockend der Vergleich mit der Saison 2015/16 auch sein mag, bei genauerem Hinsehen werden die Unterschiede zwischen damals und heute deutlich. Zwar stand Borussia nach fünf Spieltagen in beiden Fällen ohne Punkt da, doch die Voraussetzungen für eine Aufholjagd waren keineswegs identisch. Vor elf Jahren gelang es den Fohlen vergleichsweise schnell, die sportliche Krise hinter sich zu lassen. Ob sich diese Entwicklung wiederholen lässt, ist angesichts der aktuellen Situation fraglich. Ein entscheidender Faktor war damals der Trainerwechsel. Nach der fünften Niederlage in Folge trat Lucien Favre zurück. Mit André Schubert übernahm am sechsten Spieltag ein neuer Trainer, der direkt ein Ausrufezeichen setzte. Im Heimspiel gegen den FC Augsburg gewann Borussia deutlich mit 4:2 und feierte damit den ersten Saisonsieg. Dieser Erfolg wirkte wie eine Befreiung und gab der Mannschaft neues Selbstvertrauen. In den folgenden Wochen stabilisierte sich das Team zunehmend und startete eine Aufholjagd, die am Ende mit Platz vier belohnt wurde. Auch die sportlichen Voraussetzungen waren andere. Die Mannschaft verfügte über eine eingespielte Achse und zahlreiche Leistungsträger, die bereits in der Vorjahren überzeugt hatten. Spieler wie Granit Xhaka, Raffael und Lars Stindl standen für die Qualität des damaligen Kaders. Hinzu kam die internationale Bühne, auf der sich Borussia als Champions-League-Teilnehmer präsentieren konnte. Der Verein hatte sich in den Jahren zuvor kontinuierlich entwickelt und gehörte sportlich zu den etablierten Größen der Bundesliga. Auch auf Vereinsebene wirkte die Borussia damals deutlich gefestigter. Die Verantwortlichen um Präsident Rolf Königs und Manager Max Eberl standen für Kontinuität und eine klare sportliche Entwicklung. Größere öffentliche Auseinandersetzungen zwischen den Verantwortlichen prägten das Bild des Vereins nicht in vergleichbarem Maße. Der Fokus lag vor allem auf dem Sportlichen und der Frage, wie Borussia nach dem Fehlstart wieder in die Erfolgsspur finden konnte. Die heutige Situation ist komplexer. Die sportliche Krise und die wiederholten Trainerwechsel haben dazu geführt, dass längst nicht mehr nur die Mannschaft oder der jeweilige Trainer in der Kritik stehen. Zunehmend wird auch die sportliche und strategische Ausrichtung des gesamten Vereins hinterfragt. Experten wie Lothar Matthäus und verschiedene Medien kritisieren das Vorgehen der Verantwortlichen und werfen ihnen vor, auf strukturelle Probleme und Schwächen in der Kaderplanung zu spät reagiert zu haben. Statt eines klar erkennbaren langfristigen Plans sehen Kritiker eine Vereinsführung, die häufig erst dann handelt, wenn sich die sportliche Lage bereits zugespitzt hat. Besonders das Präsidium um Rainer Bonhof steht dabei unter Druck. Spätestens seit der emotionalen Jahreshauptversammlung, bei der der Präsident angesichts der Krise mit den Tränen kämpfte, ist die angespannte Lage auch auf Vereinsebene öffentlich sichtbar. In Teilen der Fanszene wächst die Unzufriedenheit mit der Führung. Dabei geht es längst nicht mehr ausschließlich um einzelne Ergebnisse oder Personalentscheidungen, sondern um die grundsätzliche Frage, welchen Weg Borussia künftig einschlagen will und wer diesen Weg glaubwürdig vorgeben kann. Zusätzliche Unruhe bringen die öffentlichen Spannungen zwischen den verschiedenen Führungsebenen. Besonders deutlich wurde dies durch die Kritik des Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Hollmann an der sportlichen Leitung. Mit der Aussage, man habe „die Schnauze voll“, machte er den Unmut innerhalb des Kontrollgremiums deutlich und kündigte an, künftig stärker Einfluss nehmen zu wollen. Damit wurde die sportliche Krise auch ein Stück weit zu einer Führungskrise. Wenn sich Vertreter der Kontrollgremien öffentlich kritisch über die sportliche Leitung äußern und mehr Mitspracherecht einfordern, wirft das Fragen nach der internen Zusammenarbeit und der strategischen Ausrichtung des Vereins auf. Auch Sportchef Rouven Schröder steht deshalb vor der Herausforderung, einen klaren und nachvollziehbaren Weg für die Zukunft aufzuzeigen. Statt Geschlossenheit zu vermitteln, entsteht nach außen der Eindruck, dass sich die Verantwortlichen nicht wirklich einig sind, wie Borussia aus der Krise geführt werden soll. Für eine Mannschaft, die dringend Erfolgserlebnisse benötigt, ist ein ruhiges Umfeld besonders wichtig. Stattdessen muss Borussia derzeit nicht nur die sportliche Krise bewältigen, sondern sich zugleich mit grundlegenden Fragen zur eigenen Ausrichtung auseinandersetzen. Das macht die Situation schwieriger als vor elf Jahren, als der Trainerwechsel unter André Schubert schnell erste Ergebnisse brachte und die Mannschaft anschließend in die Erfolgsspur zurückfand. Damit ist keineswegs gesagt, dass eine Aufholjagd ausgeschlossen wäre. Doch die Saison 2015/16 lässt sich nicht einfach auf die Gegenwart übertragen. Damals reichten ein Trainerwechsel, ein überzeugender erster Sieg und die vorhandene Qualität des Kaders aus, um eine bemerkenswerte Wende einzuleiten. Heute muss Borussia nicht nur sportlich wieder in die Spur finden, sondern zugleich für mehr Ruhe, Geschlossenheit und eine klare strategische Ausrichtung im gesamten Verein sorgen. Der Blick zurück macht Mut, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Herausforderungen diesmal andere sind.
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🖊 Autor: Fohlenbotschaft
📷 Photo by Eibner-Pressefoto/Thomas Haesler EP_THR

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