Gladbach in Stuttgart unter Zugzwang: Bei Niederlage droht historischer Negativrekord
Gladbach steht vor einem historischen Tiefpunkt. Verliert die Borussia am Freitag auch beim VfB Stuttgart, wären die Fohlen der erste Verein in 63 Jahren Bundesliga-Geschichte, der mit sieben Niederlagen in Folge in eine Saison startet. Während Alexander Blessin nach einem Ausweg aus der sportlichen Krise sucht, wächst auch der Druck auf die Vereinsführung.
Es ist ein Szenario, das sich vor Saisonbeginn wohl kaum jemand am Niederrhein hätte vorstellen können. Nach sechs Spieltagen steht Borussia Mönchengladbach mit null Punkten und einem Torverhältnis von 8:20 am Tabellenende. Sechs Spiele, sechs Niederlagen. Die jüngste 1:2-Heimpleite gegen die TSG Hoffenheim hat die Situation weiter verschärft. Am Freitag (23. Oktober) wartet mit dem VfB Stuttgart die nächste Herausforderung. Sollte Borussia auch dort verlieren, würde sie nicht nur die siebte Pleite in Folge kassieren, sondern einen Negativrekord aufstellen, den es in der Bundesliga bislang noch nie gegeben hat.
Selbst Tasmania Berlin hatte bereits gewonnen:
Die bisherigen Start-Negativrekorde der Bundesliga liegen bei sechs Niederlagen in Folge. Fortuna Düsseldorf in der Saison 1991/92, der 1. FSV Mainz 05 in der Spielzeit 2020/21 und der VfL Bochum 2022/23 mussten einen solchen Fehlstart hinnehmen. Borussia befindet sich damit bereits auf einer Stufe mit drei Mannschaften, die ebenfalls einen katastrophalen Saisonbeginn erlebten. Eine siebte Niederlage würde die Fohlen jedoch zum alleinigen Rekordhalter machen.
Besonders bitter ist der Vergleich mit dem SC Tasmania Berlin. Der Hauptstadtklub gilt bis heute als Sinnbild eines misslungenen Bundesliga-Auftritts. In der Saison 1965/66 stellte Tasmania zahlreiche Negativrekorde auf und stieg am Ende ab. Doch selbst die Berliner hatten nach sechs Spieltagen bereits einen Sieg eingefahren. Zum Saisonauftakt gewann Tasmania mit 2:0 gegen den Karlsruher SC. Gladbach hingegen wartet nach sechs Partien weiterhin auf den ersten Punktgewinn.
Damit droht Borussia ausgerechnet in einer Saison, in der der Verein ohnehin mit großen Problemen zu kämpfen hat, ein Eintrag in die Geschichtsbücher. Ein solcher Rekord wäre nicht nur statistisch bemerkenswert, sondern würde die Dimension des Gladbacher Fehlstarts noch einmal verdeutlichen.
Auch unter Blessin bleibt die Wende aus:
Die Hoffnungen auf eine schnelle sportliche Verbesserung haben sich bislang nicht erfüllt. Nach der Trennung von Eugen Polanski übernahm zunächst Jan-Moritz Lichte interimsweise die Verantwortung, ehe Alexander Blessin am 22. September als neuer Trainer vorgestellt wurde. Der erhoffte Trainereffekt blieb bislang aus. Unter Blessin verlor Borussia zuletzt sowohl das Derby gegen den 1. FC Köln als auch das Heimspiel gegen Hoffenheim mit 1:2.
Dabei sind die Probleme nicht auf einen einzelnen Mannschaftsteil beschränkt. Defensiv kassiert Gladbach zu viele Gegentore, während im Angriff die Durchschlagskraft fehlt. 20 Gegentreffer nach sechs Spieltagen unterstreichen die Schwierigkeiten. Immerhin gab es gegen Hoffenheim einen kleinen Lichtblick: Der erst 17-jährige Wael Mohya erzielte sein erstes Saisontor. Für eine echte Trendwende reichte das allerdings nicht.
Erschwerend kommt die angespannte Personalsituation hinzu. Kapitän Tim Kleindienst fehlt verletzt, und auch sein möglicher Ersatz Isac Lidberg musste gegen Hoffenheim angeschlagen ausgewechselt werden. Darüber hinaus fallen weitere Spieler aus, darunter Franck Honorat und Jens Castrop. Sollte Lidberg ebenfalls nicht zur Verfügung stehen, würden Blessin im Sturmzentrum wichtige Optionen fehlen.
Die Verletzungen erklären einen Teil der Schwierigkeiten, können den Fehlstart jedoch nicht allein erklären. Borussia muss es schaffen, defensiv stabiler aufzutreten und offensiv gefährlicher zu werden. Andernfalls droht die Niederlagenserie bei einem Gegner weiterzugehen.
Die Krise reicht längst über den Platz hinaus:
Während die Mannschaft um die ersten Punkte kämpft, wächst auch die Unzufriedenheit im Umfeld des Vereins. Der FPMG Supporters Club, der Fan-Dachverband von Borussia Mönchengladbach, hat seine bereits im Frühjahr geäußerte Rücktrittsforderung an Präsident Rainer Bonhof und das gesamte Präsidium bekräftigt.
Schon im April hatte der Fanverband vor der Entwicklung des Vereins gewarnt und grundlegende Veränderungen gefordert. Die Sorge, dass Borussia wichtige Zeit für eine Neuaufstellung verlieren könnte, ist angesichts der aktuellen Situation nicht kleiner geworden. Der FPMG betonte nun erneut, nicht tatenlos zusehen zu wollen, wie der Verein vor die Wand gefahren werde. Dabei gehe es ausdrücklich nicht um eine Palastrevolution oder eine unverhältnismäßig große Zahl von Fanvertretern in den Vereinsgremien. Vielmehr müsse der Weg für eine Neuaufstellung an der Vereinsspitze freigemacht werden.
Für Bonhof, der seit März 2024 Präsident ist und zwischen 1970 und 1978 selbst 330 Pflichtspiele für Borussia absolvierte, ist die erneute Forderung ein deutliches Zeichen für die wachsende Unzufriedenheit. Die sportliche Krise verstärkt damit eine Diskussion, die bereits seit Monaten geführt wird.
In Stuttgart geht es um mehr als drei Punkte:
Am Freitag trifft Borussia in der MHP Arena auf einen VfB Stuttgart, der die Gladbacher vor allem spielerisch fordern dürfte. Für die Mannschaft von Alexander Blessin wird es darauf ankommen, Fehler zu vermeiden, defensiv kompakter zu stehen und die eigenen Chancen konsequenter zu nutzen. Die Ausgangslage ist schwierig, doch noch kann Gladbach verhindern, dass aus dem ohnehin historischen Fehlstart ein alleiniger Bundesliga-Negativrekord wird.
Ein Punktgewinn würde die Niederlagenserie zumindest beenden. Ein Sieg wäre ein dringend benötigtes Signal an die Konkurrenz und das eigene Umfeld. Eine weitere Pleite hingegen würde die sportliche Krise verschärfen und Borussia einen Platz in den Bundesliga-Geschichtsbüchern sichern, den kein Verein freiwillig einnehmen möchte.
Sieben Niederlagen zum Saisonstart gab es in 63 Jahren Bundesliga noch nie. Am Freitag hat Gladbach die Chance, diesen Negativrekord zu verhindern.
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🖊 Autor: Fohlenbotschaft
📷 Photo by IMAGO / fohlenfoto

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