Borussia und der Effzeh: Diese Spieler standen für beide Erzrivalen auf dem Platz
Dass Spieler ihre Klubs häufiger wechseln, ist im modernen Fußball absolut normal. Doch dass Spieler ausgerechnet zum Erzrivalen ihrer Klubs beziehungsweise Ex-Klubs wechseln, ist dann doch eher eine Seltenheit. Diese Spieler haben es vollbracht, sowohl für den 1. FC Köln als auch für die Gladbacher aufzulaufen.
Tobias Strobl:
Den Spieler Tobias Strobl verbindet die Mehrheit der Fußballfans wohl eindeutig mit der Borussia. Schließlich lief der gebürtige Münchener vier Jahre für die Elf vom Niederrhein auf und spielte unter anderem sogar in der Champions League. Bei der Borussia konnte sich Strobl zeitweise einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld erarbeiten und wurde auch vereinzelt in der Innenverteidigung eingesetzt. Doch bereits vor seiner Zeit beim VfL spielte Strobl schon einmal im Rheinland. Zur Spielzeit 2012/13 verpflichtete der 1. FC Köln Strobl auf Leihbasis von der TSG Hoffenheim, ohne Kaufoption. In der Begegnung zwischen Köln und Energie Cottbus absolvierte er am 31. August 2012 sein Zweitligadebüt. Sein erstes Tor in der 2. Bundesliga für die Rheinländer erzielte er am 7. Spieltag im Spiel gegen den FSV Frankfurt mit dem Treffer zum 1:0. Das Spiel gewann der 1. FC Köln mit 2:1. Allerdings war das Kapitel Köln nach dem einen Leihjahr für Strobl wieder beendet und er kehrte zurück zur TSG. Ehe er diese 2016 für den Erzrivalen seines Ex-Klubs Köln verlassen sollte.
Rainer Bonhof:
Auch beim Namen Rainer Bonhof denkt man zunächst an die Borussia. Denn der heutige Borussia-Präsident Bonhof war in den 1970er-Jahren eine feste Säule im Spiel der Fohlenelf. Bei vier von Gladbachs fünf Meisterschaften stand Bonhof im Kader. Darüber hinaus gewann Bonhof unter anderem 1975 den UEFA-Cup, nachdem er sich ein Jahr zuvor mit Deutschland zum Weltmeister krönen konnte. In der Bundesliga absolvierte Bonhof 1977/78 die letzte Saison für Mönchengladbach und wurde punktgleich mit Meister 1. FC Köln Vizemeister und hatte dabei 33 Ligaspiele bestritten und zwölf Tore erzielt. Er unterschrieb einen neuen Vertrag bei Valencia CF und wechselte zur Saison 1978/79 nach Spanien. Zur Saison 1980/81 kehrte Bonhof in die Bundesliga zurück und schloss sich mit dem 1. FC Köln ausgerechnet dem Verein an, mit dem sich die Borussia in den 1970er-Jahren so stark duellierte. Mit den „Geißböcken“ feierte der gebürtige Emmericher direkt eine erfolgreiche erste Spielzeit: Köln erreichte das Halbfinale des UEFA-Pokals, ein Jahr später wurde Bonhof mit dem Team deutscher Vizemeister. Unter Trainer Rinus Michels kam er in 34 Bundesligaspielen zum Einsatz und erzielte dabei neun Tore. Seine letzte Saison verlief dagegen deutlich weniger erfolgreich. In der Spielzeit 1982/83 setzte Bonhof zunächst Verletzungspech zu, später war er mit seiner Rolle unter Michels zunehmend unzufrieden. In der Winterpause „flüchtete“ er schließlich zu Hertha BSC nach Berlin. Dort kam er allerdings nur noch auf sechs Bundesligaeinsätze und konnte den Abstieg der Berliner in die 2. Bundesliga nicht verhindern. Aufgrund anhaltender Verletzungsprobleme musste Bonhof anschließend seine aktive Karriere beenden. Am 4. September 1984 verabschiedete er sich schließlich mit einem Abschiedsspiel gegen die Weltmeistermannschaft von 1974 im Bökelbergstadion, der Heimat seines Herzensvereins, der Borussia aus Mönchengladbach.
Toni Polster:
Auch Toni Polster trug die Trikots beider Erzrivalen. Von 1993 bis 1998 spielte der Österreicher für den 1. FC Köln und entwickelte sich dort zu einem der treffsichersten Stürmer der Bundesliga. 1994/95 bildete er gemeinsam mit Bruno Labbadia das erfolgreichste Sturmduo der Liga, 1996/97 belegte Polster mit 21 Treffern den zweiten Platz der Torschützenliste, nur knapp hinter Ulf Kirsten.
Nach dem Abstieg der Kölner 1998 wechselte Polster ausgerechnet zum Erzrivalen Borussia Mönchengladbach. Der Transfer sorgte bei den FC-Fans für großen Unmut und brachte dem Österreicher einiges an Anfeindungen ein. Bei der Borussia spielte Polster zunächst in der Bundesliga, musste nach dem historischen Abstieg 1999 aber auch den Gang in die 2. Bundesliga antreten. Im Januar 2000 wechselte er schließlich auf Leihbasis zu Austria Salzburg, wo er seine aktive Karriere beendete.
Jens Castrop:
Auch im aktuellen Gladbacher Kader findet sich ein ehemaliger Kölner. Jens Castrop begann seine fußballerische Laufbahn beim Lohausener SV und bei Fortuna Düsseldorf, ehe er im Sommer 2015 in die Jugendabteilung des 1. FC Köln wechselte. Für die Kölner absolvierte er 30 Spiele in der B-Junioren-Bundesliga, zwei Einsätze in der A-Junioren-Bundesliga sowie zwei Partien in der UEFA Youth League. Insgesamt gelangen ihm dabei drei Tore. Mit der B-Jugend des FC sicherte sich Castrop im Juni 2019 durch einen 3:2-Erfolg gegen Borussia Dortmund die deutsche Meisterschaft.
Im Sommer 2021 wurde der Mittelfeldspieler in den Kader der zweiten Mannschaft aufgenommen. Den Sprung zu den Profis des 1. FC Köln schaffte Castrop allerdings nicht. Über den 1. FC Nürnberg führte sein Weg schließlich nach Mönchengladbach. Für die Borussia kam der aktuell verletzte Castrop bislang in 26 Pflichtspielen zum Einsatz.
Zuletzt sorgte Castrop in den sozialen Medien für Aufmerksamkeit. Er veröffentlichte zwei Fotos, eines aus seiner Kölner Zeit und eines im Gladbach-Trikot, und versah sie mit den Worten „There’s such a difference between us“. Auffällig: Das Wort „us“ war dabei grün hervorgehoben. Im Hintergrund war zudem sein Torjubel nach seinem letzten Treffer im Rheinderby zu sehen. Ein kleiner Seitenhieb in Richtung seines ehemaligen Klubs?
Stephan Paßlack:
Auch Stephan Paßlack gehört zu den Spielern, die für beide Erzrivalen aufliefen. Der offensivstarke Abwehrspieler, der beim TV Asberg ausgebildet wurde, schaffte über den VfB Homberg den Sprung zu Bayer Uerdingen. Dort sammelte er zwischen 1989 und 1993 seine ersten Bundesliga-Erfahrungen, ehe er für die Saison 1993/94 auf Leihbasis zum 1. FC Köln wechselte. In 18 Bundesliga-Spielen erzielte Paßlack dabei ein Tor.
Nach einem kurzen Abstecher zu Eintracht Frankfurt kehrte er zu Bayer Uerdingen zurück, bevor 1996 der Wechsel zu Borussia Mönchengladbach folgte. Für die Borussia absolvierte Paßlack bis 1999 insgesamt 67 Spiele und erzielte sieben Tore. Damit erlebte er auch eine der schwierigsten Zeiten der Gladbacher Vereinsgeschichte und stieg 1999 mit der Borussia aus der Bundesliga ab. Insgesamt musste Paßlack in seiner Karriere gleich fünf Abstiege aus der höchsten deutschen Spielklasse hinnehmen.
Auch für die deutsche Nationalmannschaft kam Paßlack zum Einsatz. Zwischen 1996 und 1998 bestritt er vier Länderspiele und erzielte dabei ein Tor. Bis heute ist er dem VfL verbunden und läuft für die Traditionsmannschaft von Borussia Mönchengladbach, die „Weisweiler-Elf“, auf.
Weitere Spieler:
Neben den bereits genannten Spielern gibt es noch weitere Namen, die in ihrer Karriere sowohl das Trikot des 1. FC Köln als auch das von Borussia Mönchengladbach getragen haben. Dazu gehören Markus Münch, Andrij Woronin, Helmut Fendel, Alexander Voigt, Thomas Broich, Hans-Georg Dreßen, Bernd Rupp und Uwe Rahn. Ebenso spielte der heutige Kölner Said El-Mala in der Jugend einst bei der Borussia. Die Liste derjenigen, die sowohl das Trikot des 1. FC Köln als auch das von Borussia Mönchengladbach getragen haben, ist somit durchaus prominent besetzt. Sie alle verbindet eine ungewöhnliche Gemeinsamkeit: Ausgerechnet zwischen den beiden großen Rivalen am Rhein machten sie Station und wurden damit, zumindest für eine Zeit, Teil beider Vereinsgeschichten.
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🖊 Autor: Fohlenbotschaft
📷 Photo by IMAGO / Revierfoto

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