Als Gladbach in der Saison 2019/20 unter Marco Rose auf Platz vier landete und in die Champions League einzog, hatten viele Fans das Gefühl, dass sich der Verein dauerhaft im oberen Bereich der Bundesliga festsetzen kann. Die Mannschaft war mutig, unangenehm zu bespielen und wirkte so, als hätte sie eine klare Entwicklung vor sich.

Umso bitterer ist der Blick auf die Jahre danach. Denn aus der Euphorie rund um die Königsklasse ist bei Borussia längst Ernüchterung geworden. Die nackten Zahlen zeigen ziemlich deutlich, was viele Fans seit Jahren spüren: Gladbach ist sportlich Schritt für Schritt abgerutscht.
Auf die Champions-League-Saison folgten die Platzierungen 8, 10, 10, 14, 10 und aktuell 13. Gladbach hat es seitdem also kein einziges Mal mehr in die Top 6 geschafft. Auch die Tordifferenz spricht eine klare Sprache: Aus +26 wurden später +8, -7, -3, -11, -2 und aktuell -14. Das ist kein kleiner Knick mehr, sondern eine Entwicklung, die sich seit Jahren durchzieht.
Der sportliche Bruch ist nicht zu übersehen
Auch auf dem Platz ist Gladbach weit weg von der Mannschaft, die einst nach Europa marschiert ist. In der laufenden Saison stehen nach 30 Spielen nur 36 Tore zu Buche. Dazu kommen schwache Werte bei Chancen, Schüssen und Pässen ins letzte Drittel. Heißt unterm Strich: Die Borussia kommt zu selten in wirklich gefährliche Räume und entwickelt nach vorne zu wenig Druck.
Defensiv sieht es kaum besser aus. 50 Gegentore nach 30 Spielen sind für einen Verein mit diesem Anspruch schlicht zu viel. Gladbach wirkt weder nach vorne konstant gefährlich noch hinten stabil genug, um sich aus solchen Phasen sauber zu befreien.
Zu viele Brüche auf einmal
Dazu kommt, dass dem Verein in den vergangenen Jahren vor allem eines gefehlt hat: Kontinuität. Auf Marco Rose folgten mit Adi Hütter, Daniel Farke, Gerardo Seoane und zuletzt Eugen Polanski mehrere Trainer mit unterschiedlichen Ideen und Ansätzen. Wirkliche Ruhe ist dabei nie reingekommen.
Gleichzeitig hat Gladbach wichtige Spieler verloren. Namen wie Matthias Ginter, Lars Stindl, Marcus Thuram oder Ramy Bensebaini stehen nicht nur für Qualität, sondern auch für Achse, Erfahrung und Identifikation. Dazu kamen weitere Abgänge wie Yann Sommer oder Jonas Hofmann. Dass solche Verluste nicht spurlos vorbeigehen, sieht man heute deutlich.
Natürlich lässt sich der Absturz nicht an einem einzigen Punkt festmachen. Aber aus Gladbach-Sicht ist längst klar: Seit der Champions-League-Saison ist zu viel auseinandergebrochen, was den Verein damals stark gemacht hat. Aus einer Mannschaft mit Europa-Ambitionen ist ein Team geworden, das inzwischen wieder viel zu oft nach unten schauen muss.
Quellen: statmuse.com (Saisondaten/Teamhistorie) und transfermarkt.de (Transferhistorie, Trainerdaten)
Wann war für euch der entscheidende Wendepunkt für die Negativserie der letzten Jahre?
🖊 Autor: Elias Heinze
📷 Photo by Lars Baron/Getty Images

