Kriselnde Gladbacher treffen auf Formstarkes Leipzig
Gladbach ist in der Krise, sportlich abgestürzt, und veraltete Strukturen nagen am Verein. Nach dem enttäuschenden Unentschieden gegen Heidenheim kamen erste Medienberichte über Polanskis Entlassung auf, und der Trend von nur zwei Siegen seit dem 5. Dezember verstärkt die Enttäuschung der Fans. Eins ist klar: Gladbach will diese Saison einfach nur noch beenden, um dann im Sommer in Ruhe ein neues Gerüst aufzubauen. Über dem Spiel schwebt zudem die Personalie Rocco Reitz, der im Sommer zu RB wechselt. Die daraus gewonnenen Einnahmen sollen in den Wiederaufbau des Kaders reinvestiert werden.
Doch leider gibt es das leidige Thema Abstieg, dem man nicht einfach entkommen kann. Bei einem Restprogramm aus Leipzig, Mainz, Wolfsburg, Dortmund, Augsburg und Hoffenheim kann einem als Fan schon schwindelig werden. Dementsprechend sind eher unerwartete Punkte, wie beispielsweise das 1 zu 1 gegen Leipzig im Hinspiel, essenziell für den Klassenerhalt. Doch stecken solche „Wunder“ überhaupt in der Mannschaft?
Polanski vor Mammutaufgabe – Wenig Qualität & großer Druck

Gladbach Coach Polanski kann einem schon fast leidtun. Jahrelang gefordert und nach einer Siegesserie als Erlöser der Gladbacher Mittelmäßigkeit gefeiert, ist der einstige Hoffnungsschimmer mittlerweile zum Sinnbild des Gladbacher Absturzes in die unteren Tabellenregionen geworden. Die anfänglichen Spielelemente sind kaum noch zu erkennen, und selbst bei einem Klassenerhalt soll seine Position nicht sicher sein. Doch bei aller berechtigten Kritik an seinen Entscheidungen darf man nicht vergessen, dass das Problem bei Borussia offenbar tiefer liegt.
Denn die Qualität im Kader ist in den letzten Jahren stetig gesunken. Sowohl auf der Sechserposition als auch auf den Außenverteidigerpositionen muss Polanski häufig zwischen Not und Elend wählen. Mit Scally und Ullrich ist man fast gezwungen, Spieler aufzustellen, die nur an guten Tagen überhaupt Bundesliganiveau erreichen. Im Mittelfeld stehen im Grunde nur Reitz, Engelhardt, Stöger und Sander als Optionen zur Verfügung. Zwei von beiden sind in der nächsten Saison nicht mehr im Verein, die anderen beiden überwiegend auf anderen Positionen eingesetzt werden.
Darüber hinaus gibt es kaum Leistungsträger oder klare Stammspieler, geschweige denn eine funktionierende Grundordnung. Die Mannschaft wirkt dysfunktional, was auch auf die Kaderplanung zurückzuführen ist. Klar ist jedoch auch, dass es Polanskis Aufgabe ist, Lösungen für diese Probleme zu finden, was ihm aktuell nicht gelingt. Und kann ausgerechnet gegen Leipzig die Wende gelingen?
Meine Aufstellung:

Wackelt das Konstrukt RB & kann Gladbach davon profitieren?
Dort ist die sportliche Realität nämlich, dass man sich mitten im Kampf um die Champions League Plätze befindet. Mit Diamande hat man wohl den Shootingstar dieser Saison in den eigenen Reihen, und Christoph Baumgartner spielt eine der besten Saisons eines Nicht Bayern Spielers. Die ausbleibende Doppelbelastung oder sogar Dreifachbelastung scheint der Mannschaft von Ole Werner gutzutun.
Dieser betonte nach dem knappen 2:1 Erfolg gegen Bremen, dass man eine bessere Leistung abrufen müsse. Mit Lukeba fehlt einer der Stamm Innenverteidiger, dafür wird Ouedraogo nach der starken Hinrunde langsam wieder in die Mannschaft integriert. Der RB Stil sollte klar bekannt sein und wird auch in dieser Saison in großen Teilen gespielt.
Doch RB neigt in den letzten Jahren zur Wankelmütigkeit, die Konstanz scheint verloren gegangen zu sein. Im letzten Jahr verpasste man Europa und flog in der zweiten DFB Pokal Runde aus dem Wettbewerb. Und auch in dieser Saison ließ man Punkte gegen Wolfsburg, St. Pauli und Gladbach im Hinspiel liegen. Die Emotionalität scheint im Verein zu fehlen. Leipzig hat Probleme mit guten Defensivreihen und mutigem Mitspielen, etwas, das Gladbach zuletzt eher weniger zeigte. In der Pressekonferenz betonte Polanski die nötige Zweikampfhärte gegen die starken Eins gegen Eins Spieler der Leipziger.
Trotz allem sind die Verhältnisse klar: Gladbach geht als Underdog in die Partie. Doch da Leipzig nicht gerade mit einer starken Heimkulisse glänzen kann, kann man die Intensität und Aggressivität selbst ins Spiel bringen. Dementsprechend ist mein Tipp ein 1:0 durch Castrop.
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🖊 Autor: Mika Heerink
📷 Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images
