Gladbach und die Abwehrprobleme
Rouven Schröder, der neue Head of Sports bei Borussia Mönchengladbach, muss gemeinsam mit Eugen Polanski das Team aus den unteren Tabellenregionen führen. Doch das wird kein leichtes Unterfangen – zumal es gerade in dieser Saison keine „leichten Gegner“ mehr in der Bundesliga gibt. Grundvoraussetzung ist eine stabile Defensive, und genau die hat Borussia seit Jahren nicht mehr. In den letzten beiden Jahren unter Seoane kassierte man 67 bzw. 57 Gegentore. Auch in dieser Saison hat man sich bereits nach sechs Spieltagen zwölf Tore gefangen. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass man allein zehn Gegentore in den „Blackout-Spielen“ gegen Bremen und Leverkusen kassiert hat.
Doch die Abwehr ist seit Jahren sowohl qualitativ als auch quantitativ ausgedünnt. Spätestens im Sommer hätte Roland Virkus nach den Abgängen von Lainer und Itakura die Defensive deutlich stärker verstärken müssen – mehr als nur durch den ablösefreien Transfer von Kevin Diks. Diks ist ein enorm wichtiger Spieler, der sowohl als Innen- als auch als Außenverteidiger auflaufen kann. Allerdings muss sich der indonesische Nationalspieler erst noch an die Bundesliga gewöhnen. Ohne Frage ist er jedoch eine wichtige Verstärkung.
Neben Diks gibt es in der gesamten Abwehr nur noch eine weitere Konstante – Nico Elvedi. Der Schweizer Nationalspieler spielt eine ordentliche Saison, doch die Innenverteidigung mit Diks und Elvedi ist noch nicht eingespielt. Hinzu kommen Außenverteidiger, die mit enormen Leistungsschwankungen zu kämpfen haben. Joe Scally ist derzeit wohl der Außenverteidiger, der am besten performt, hat jedoch keinerlei Konkurrenz. Auf der linken Seite wiederum kämpfen Netz und Ullrich bereits seit Längerem mit starken Formschwankungen. So entsteht eine äußerst wacklige Viererkette, die kaum Verletzungen verkraften kann.
Zwar hat man mit Chiarodia und Marvin Friedrich zwei Backups für die Innenverteidigung, doch der junge Italiener Chiarodia hat enorme Schwierigkeiten, sich an das Bundesliga-Niveau anzupassen. Bei Marvin Friedrich weiß man gar nicht, welches Leistungsniveau er aktuell noch hat, da er sowohl unter Seoane als auch unter Polanski keine Rolle mehr spielt.
Gladbach muss im Winter Transfers tätigen
Es ist bekannt, dass Vereine, die im Wintertransferfenster aktiv werden müssen, meist ihre Hausaufgaben im Sommer nicht gut gemacht haben – und das trifft auf Borussia Mönchengladbach definitiv zu. Rouven Schröder muss die Abwehr kurzfristig durch Wintertransfers stabilisieren. Da der Vertrag von Marvin Friedrich im Sommer ausläuft, könnte man hier bereits einen Vorgriff auf den kommenden Sommer tätigen – oder ihn sogar schon im Winter abgeben. In der Innenverteidigung muss jemand verpflichtet werden, der ein deutlich höheres Leistungsniveau mitbringt als Friedrich und Chiarodia.
Auch auf den Außenverteidigerpositionen braucht es eine weitere Verstärkung – einen erfahrenen Spieler, bei dem man weiß, was man bekommt. Dass solche Transfers mit den begrenzten finanziellen Mitteln am Borussia-Park schwer zu realisieren sind, ist klar. Doch genau für solche Situationen wurde Rouven Schröder geholt: Mit seinem Netzwerk und seiner Erfahrung kann er vielleicht auch kurzfristige Leihen realisieren, um der Mannschaft neue Qualität zu geben.
Im zentralen Mittelfeld sollte man überlegen, vielleicht einen Spieler abzugeben. Mit Reyna, Neuhaus, Stöger und Machino hat man vier Akteure, die für die Zehnerposition bzw. als hängende Spitze infrage kommen. Da Polanski offenbar eher auf Neuhaus als auf Stöger setzt, sollte man überlegen, ob man den Österreicher vielleicht abgibt – um auf dem dünn besetzten Flügel nachzurüsten.
Wie man sieht, steht Rouven Schröder im Winter vor einer großen Aufgabe.
Bietet sich Gladbach eine kurzfristige Lösung auf dem Transfermarkt an?
Ein Blick auf den Transfermarkt zeigt, dass es durchaus spannende Optionen gibt – von Spielern, die derzeit ohne Vertrag dastehen. Das hat in der Regel natürlich auch seine Gründe. Ein Beispiel ist Tomiyasu, der mit einem Marktwert von 18 Millionen Euro aktuell vereinslos ist. Der ehemalige Arsenal-Verteidiger, der sowohl innen als auch außen spielen kann, hatte in der Vergangenheit immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen.
Zudem stehen mit Renan Lodi, Sergio Reguilón und Rick Karsdorp drei weitere erfahrene Außenverteidiger als mögliche Optionen bereit. Ob diese Spieler für Borussia und Schröder tatsächlich infrage kommen, bleibt jedoch abzuwarten.
Glaubt ihr, dass Schröder den Kader im Winter bereits umbaut?
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🖊 Autor: Jan David Busch
📷 IMAGO / Sven Simon
